CAS Teil der Misere im Fall Sion | Tour d'Horizon zur Angelegenheit FC Sion aus Sicht der Spielervereinigung

Die Angelegenheit des FC Sion kann angesichts der länderübergreifenden Bedeutung und der Involvierung von Spielern auch von der Spielervereinigung nicht unkommentiert bleiben.

SAFP Präsident Dr. Lucien W. Valloni:

Klar ist mittlerweile, dass das Ansehen des Schweizer Fussballs in der Fussballweltöffentlichkeit gelitten hat und der Schweizer Fussball als Ganzes auch durch die Entscheidung der UEFA bereits konkret in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Dadurch wurde der Fall Sion bereits zu einem Fall, welcher den gesamten Schweizer Fussball tangiert hat.

Nachdem mittlerweile viele Parteien involviert sind, ist in einem ersten Schritt darzustellen, welche Akteure mit welchen Motiven in diese Angelegenheit verwickelt sind, um hernach in einem zweiten Schritt deren Motive einer Bewertung zu unterziehen.

  • Die Swiss Football League ist verständlicherweise an klaren Verhältnissen betreffend des laufenden Meisterschaftsbetriebes interessiert. Die Swiss Football League hat die rechtskräftige Entscheidung der FIFA bzw. diejenige des CAS konsequent umgesetzt.
  • Die sportlichen Gegner des FC Sion sehen aus verschiedenen Motiven in der Austragung der Spiele unter Protest eine Chance zum Sieg am grünen Tisch, ohne wirkliches Risiko.
  • Der FC Sion glaubt sich im Recht, und zwar aufgrund des Präzedenzfalles Mexès/AS Roma und setzt alle Hebel in Bewegung. Dass wusste man, und das ist an sich nicht überraschend.
  • Die FIFA will ihre rechtskräftige Entscheidung bzw. diejenige des CAS vollstreckt sehen und beurteilt offenbar den Fall Mexès/AS Roma nicht als einschlägig.
  • Die UEFA will Ihren Wettbewerb von unklaren Verhältnissen frei halten und fällt offenbar aus diesem Grund aus eigener Anschauung eigene Entscheidungen.
  • Die Spieler wollen um jeden Preis Spielen.
  • Das CAS, welches über die Frage zu entscheiden hat, ob sich der FC Sion auf den CAS-Präzedenzfall Mexès/AS Roma abstützen darf, lässt sich alle Zeit dieser Welt.

Es ist deshalb nun in einem zweiten Schritt zu beleuchten, wie das Verhalten der verschiedenen Akteure in dieser Angelegenheit zu werten ist.

Der Swiss Football Leage kann kein Vorwurf gemacht werden. Sie hat zunächst den rechtskräfitgen Entscheid der FIFA bzw. des CAS in der Angelegenheit El Hadary umgesetzt. Hernach hat sie sich auch korrekterweise dem Entscheid des Zivilgerichts mit Bezug auf die angeordneten vorsorglichen Massnahmen nicht widersetzt und die Spieler vorsorglich qualifiziert.

Die FIFA will die rechtskräfitge Entscheidung durchsetzen, hat sich dann aber korrekterweise dem Entscheid des Zivilgerichtes gefügt und die internationale Qualifikation erteilt. Dass die FIFA ihre rechtskräftige Entscheidung durchsetzen will ist nicht ungewöhnlich und folgerichtig; allerdings nur, wenn die FIFA-Juristen den Präzedenzfall Mexès/AS Roma mit guten Gründen als nicht wirklich einschlägig betrachten können.

Die sportlichen Gegner (Klubs/CH- und Internationale) handeln an sich aus rein egoistischen aber verständlichen Motiven. Das ist nicht aussergewöhnlich, war vorhersehbar und setzt Sion natürlich unter Druck.

Die UEFA scheint die faktische Wirkung der Entscheidung des Zivilrichters aus der Ferne betrachtet im Gegensatz zur FIFA nicht zu berücksichtigen. Mit welchen Gründen, ist nicht bekannt und bleibt abzuwarten.

Den Spielern war bei Unterzeichnung des Arbeitsvertrages bekannt, dass ein Transferverbot gegen den FC Sion ausgesprochen worden war. Das Interesse derjenigen Spieler, welche ein Interesse an einem geordneten Spielbetrieb haben, ist deshalb unter diesen Umständen wohl höher einzuschätzen, als das Recht der einzelnen betroffenen Sion Spieler auf ungehinderte Ausübung des Berufs. Sie haben gepokert und mit einem schnellen und postiven Ausgang gerechnet. Eine schnelle Entscheidung blieb bislang aus und auch ein positiver Ausgang ist noch längst nicht in Sicht. Als letzte Chance haben Sie den Gang an das Zivilgericht gesehen. Ob das mehr als ein Phyrusssieg war, wird sich erst noch weisen müssen.

Das Verhalten des CAS jedoch ist unangemessen und absolut unverständlich. Die Leit-Entscheidung ist absolut dringlich, und zwar sowohl für den Schweizer wie auch für den Europäischen Spielbetrieb, weil auch trotz der UEFA-Entscheidung das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Dass der FC Sion alle Hebel in Bewegung setzen wird, war von vornherein klar und konnte auch dem CAS (mit Sitz in der welschen Schweiz) nicht verborgen bleiben. Das CAS wurde sodann durch die FIFA in ihren Statuten als Schiedsgericht eingesetzt, weil man sich davon Sachverstand, Schnelligkeit und mehr Autonomie im Verhältnis zur Zivilgerichtsbarkeit versprochen hat. Wenn das CAS aber offenbar in derart wesentlichen Fragen, das Feld allen oben aufgeführten Akteuren selbst überlasst und das Heft nicht in die Hand nimmt, ja diese gar im Ungewissen lässt, muss man sich nicht wirklich wundern, wenn die Parteien die Ansicht vertreten, vor dem CAS keinen effektiven, d.h. hier schnellen Rechtsschutz zu erhalten und sich aus diesem Grund an ein Zivilgericht wenden.

Nicht dass ein Gang vor das Zivilgericht zu unterstützen wäre, schliesslich setzt sich auch die Spielervereinigung für die Einführung der paritätischen Schlichtungsbehörde in Fussballfragen auf Verbandsstufe ein, doch will man dies inskünftig verhindern, gilt es in solchen Fällen schnellere Entscheidungsfindungsmechanismen zu erlassen.

Die Spielervereinigung wird sich dafür einsetzen. Entscheide mit einer solchen Tragweite müssen in einem Schnellverfahren mit den notwendigen Verfahrensrechten entschieden werden.“

 

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