Der Druck auf die Spieler in der Schweiz ist höher

 Keystone

In der Challenge League stolzieren manchmal Tauben auf dem Feld umher. Und ab und an erhalten die Spieler die Löhne mit Verspätung. Bild: Keystone

Es sind verblüffende Zahlen, die eine Studie der weltweiten Fussballergewerkschaft Fifpro am Dienstag hervorgebracht hat. 40 Prozent jener Profis, die gegen eine Transfersumme zu einem Schweizer Club wechseln, sollen nicht ganz freiwillig bei ihrem neuen Arbeitgeber gelandet sein.

34 Prozent gaben an, sie hätten lieber das Angebot eines anderen Vereins angenommen, seien durch den abgebenden Club aber daran gehindert worden. 6 Prozent erklärten, ihr Ex-Club oder ihr eigener Agent habe sie zum Transfer gezwungen. ­Lucien Valloni, den Präsidenten der Schweizer Spielergewerkschaft SAFP, überrascht dieses Resultat nicht.

Werden Fussballprofis in der Schweiz stark unter Druck gesetzt?
Unsere Umfrage zeigt, dass der Druck auf die Spieler in der Schweiz höher ist als im europäischen Schnitt. Es sind viele verschiedene wirtschaftliche Interessen vorhanden: Clubs wollen mit den Spielern Geld verdienen – und die Berater ebenso. Die Schweiz ist eine Zwischenstation, Kauf und Weiterverkauf von Fussballern sind Teil des Geschäftsmodells der Vereine. Darum gibt es mehr Wechsel und mehr Druck als anderswo.

Wer übt mehr Druck aus: die Spielerberater oder die Clubs?
Gemäss der Umfrage, tun es beide Seiten in etwa vergleichbarem Rahmen. Je professioneller Clubs oder Spielerberater sind, je ethischer sie handeln, desto kleiner ist der Druck. Da Spieler am Ende der jeweils befristeten Arbeitsverträge frei wechseln können und die Clubs bei einer solchen Situation keine Vertragsauskaufsumme erhalten, versuchen sie, die Spieler zu Vertragsverlängerungen zu drängen. Spielerberater demgegenüber drängen die Spieler zu Transfers, weil sie damit eine Provision verdienen.

Gibt es Schweizer Vereine, die immer wieder negativ auffallen, weil sie die Spieler bedrängen?
Ja, das gibt es. Auch in der Super League. Ich will da niemanden nennen, aber wir erleben viele Situationen, in der Spieler auf verschiedene Arten zu einem Transfer gedrängt werden.

Wie geschieht das?
Am häufigsten werden Spieler in die U-21 verschoben. Teilweise werden Löhne nicht oder erst verzögert bezahlt. Man nimmt dem Spieler die Perspektive. Er erhält keine medizinische Betreuung, und er muss für jedes kleine Ding kämpfen, das ihm eigentlich zustehen würde. Gerade die Versetzung in eine U-21 ist ganz klar schädigend für einen Profi. Und sie macht es nicht einfacher für ihn, einen neuen Club zu finden.

Wie häufig wenden sich Spieler an die Gewerkschaft, die Hilfe suchen?
Sehr oft. Und es nimmt zu, weil das ­Geschäft schnelllebiger geworden ist. In den letzten zwei Jahren hatte ich sicher fünf, sechs Fälle, in denen ein Spieler zu einem Wechsel gezwungen wurde. Das Ziel der Clubs ist, dass der drangsalierte Spieler seinen Vertrag verletzt – oder dass er freiwillig geht. Die Vereine wollen die Fussballer zwar lange an sich binden. Aber wenn es sportlich nicht läuft, versucht man auch, sie wieder loszuwerden. Die Vertragsstabilität ist theoretisch da, aber faktisch wird Druck aufgebaut, damit ein Spieler wechselt. Und gerade bei der Lohnsicherheit gibt es in der Schweiz noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Laut Ihrer Studie steht die Schweiz bei den Lohnzahlungen aber weit besser da als viele andere Länder.
Es sind Fälle, die vor allem die Challenge League betreffen. Und weil da die Löhne nicht so hoch sind, wird das fehlende Geld für die Spieler schnell zum Problem. Es gibt Vereine in der Challenge League, die die Löhne systematisch einen Monat zu spät auszahlen. Immer just dann, wenn sie die Lohnzahlung der Liga melden müssen. Dabei gilt es zu bedenken: Spieler, die ihren Lohn nicht rechtzeitig erhalten, sind eher bereit, bei Spielmanipulationen mitzumachen.

Wenn so viele Spieler Ihre Hilfe suchen, warum ist dann von der SAFP öffentlich kaum zu hören?
Unser Ziel ist die Unterstützung der Spieler. Wir suchen Lösungen mit den Clubs, der Liga sowie dem Verband. Die Medien waren bislang an diesen Themen nicht interessiert und haben unsere diversen Medienmitteilungen nicht thematisiert. Aus diesem Grund haben wir uns zusammen mit der Fifpro entschlossen, die Sache mit einer Umfrage anzugehen. Wenn wir nicht in den Medien erwähnt werden heisst es nicht, dass wir die Spieler nicht unterstützen. 

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